Die Geschichte ...
als wir vor zehn Jahren ein Grundstück am Ende einer kleinen Sackgasse in Dortmund - Hörde kauften, wussten wir nicht, was uns unter der Erde erwarten würde. Drei grobe Betonklötze schauten aus einem dornenüberwucherten Berg von Schlacke und Schutt heraus, die Eingänge eines unbekannten Bunkers, den es zu entdecken galt.

Innerhalb der folgenden Jahre machten wir den Bereich des Grundstücks, unter dem der Bunker schlummerte, urbar und entwickelten ihn zu einem Teil unseres Gartens. Natürlich erkundeten wir auch den Bunker und dies sowohl vor Ort als auch in verschiedenen Archiven, im Internet und durch Befragung älterer Nachbarn. Der Bau selbst war schnell erschlossen: ein wenig Bauschutt, eine rostige Liege, jede Menge Staub. Die Geschichte des Ortes dagegen ist nicht genau nachvollziehbar, aber stark an die Geschichte des Stahlstandortes Hörde geknüpft.

Um das Jahr 1900 siedelten sich die Direktoren und höheren Angestellten des Hörder Hüttenvereins, die man heute überall in den Straßennamen wiederfindet (Tull, van-Vloten, Harr, Piepenstock etc.) nördlich der großen Werksgelände am damals Mühlenberg genannten Hügel oberhalb des Emschertals an. Die Architektur der heute größtenteils unter Denkmalschutz stehenden Villen und Bürgerhäuser stammte vom Dortmunder Baurat Ernst Marx. Marx verwandte übliche Stilmittel des Historismus und vermischte diverse Strömungen vom Jugendstil bis zur Neorenaissance recht unvermittelt miteinander.

Nachdem bis in die 30-iger Jahre des 20. Jahrhunderts noch Tennis im parkähnlichen Garten des Hauses Tullstraße 1, der Direktorenvilla, gespielt wurde, die zu dieser Zeit Wohnsitz des Werksdirektors Karl Harr war, sorgten der drohende Ausbruch des zweiten Weltkrieges und die Gefahren, die durch die unmittelbare Nähe zur rüstungsrelevanten Industrie in Hörde zu erwarten waren, für den Bau des Bunkers. Die Führungsschicht des Werkes errichtete sich ihren privaten Schutzraum mit 138 nummerierten Sitzplätzen auf schmalen Bretterbänken, die in zwei parallel verlaufenden Tunnelröhren angeordnet wurden. In städtischen oder in Verzeichnissen des Bundes gibt es folglich keinerlei Hinweise auf den Bunker in der Tullstraße. Aber auch im Archiv des Stahlkonzerns Thyssen Krupp, der durch verschiedene Fusionen aus dem früheren Hörder Hüttenverein bzw. der späteren Phoenix AG hervorgegangen ist, existieren keinerlei Planunterlagen.



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Historische Fotos aus Hörde,
oben Mühlenberg, unten Tullstraße, ca. 1915